News

Kundendienst, was sonst!

Kundendienst, was sonst!

Wer im Kundendienst arbeitet oder damit zu tun hat, der erlebt tagtäglich Geschichten, welche einen entweder zur Verzweiflung bringen oder so richtig zum Lachen sind, so dass diese noch nach Jahren weiter erzählt werden.

Diese Geschichte hier handelt von einer Mit-6oer Frau, welche verzweifelt auf die Bestellung für ihren Sohn wartet. Abgesehen davon, dass ihr Sohn Mitte vierzig war und immer noch bei der Mutter lebte, wussten beide nicht, wie das Online-Shopping-Geschäft abläuft:

Der Tag lief ganz normal ab. Ohne irgendwelche Vorkommnisse. Und dann klingelte das Telefon. Eine ältere Dame, welche wirklich verzweifelt klang und nicht wusste, wie weiter. Ich dachte schon „Ach Herrje, was kommt denn da auf mich zu, kurz vor Feierabend“. Sie erzählte mir kurz ihre Version der Geschichte: Die Dame hatte vor drei Monaten einen Artikel bestellt, welchen sie immer noch nicht erhalten hatte. Auf die Frage, ob sie mir die Bestellnummer nennen könnte, antwortet sie ahnungslos mit Nein. Sie wusste nicht mal, was eine Bestellnummer sei. Das kann ja noch heiter werden, dachte ich in mir. Daher suchte ich mit ihrem Namen nach der Bestellung. Nach wenigen Minuten fand ich sie. Tatsächlich hatte sie knapp vor drei Monaten eine Bestellung im Wert von CHF 299.95 getätigt. Der Status: nicht bezahlt! Keine Email-Adresse hinterlegt und die Lieferadresse irgendwie fehlerhaft.

Einfach alles an dieser Bestellung war komisch. Schon nur die Tatsache, dass sie erst nach dreimonatigem Warten, das erste Mal anrief, war komisch. Ich erklärte der Dame, dass die Bestellung zuerst bezahlt werden musste, bevor sie ausgeliefert wird. Im Hintergrund hörte man ihren Sohn, der kindlich – aber nicht jung – und noch verzweifelter als die Mutter klang, und sie beschimpfte, den Artikel nicht bezahlt zu haben. Darauf hin versicherte mir die Dame, dass die Bestellung noch am gleichen Tag bezahlt wurde. Ich beruhigte die Dame und sagte ihr, dass es gelegentlich passieren kann, dass wenn die Bestellnummer fehle, die Summe nicht der Bestellung zugewiesen werden kann. Ich bat sie, uns den Beleg per Mail zu zusenden und alles würde sich klären und die Lieferung würde noch am gleichen Tag versendet werden. Sie habe keinen Beleg, sagte sie mir, aber sie habe bezahlt. Wie hat sie denn bezahlt ohne Beleg, dachte ich.

Sie habe noch am gleichen Tag 300 Franken in ein Couvert gelegt und per A-Post an uns gesandt, ohne Begleitschreiben und ohne Absender. Sie dachte, es wäre alles klar für uns, wenn wir diese 300 Franken per Post bekämen! Leider nicht. Ein Anruf bei der Buchhaltung und das Geld war tatsächlich da. Ein Glück für die Dame, dass das Geld überhaupt sicher zu uns gelangt war und nicht von der Post abgefangen wurde und wegen Verdachts auf Geldwäscherei oder sonst was beschlagnahmt wurde. Obwohl ich der Dame alles erklärte, verstand sie nicht, was ich ihr sagte und meinte lediglich: „Sehen Sie, hat alles geklappt. Danke und auf wieder hören.“

Nach dem Anruf konnte ich lange nicht aufhören zu lachen. Ich hoffe nur, dass die Dame kein Geld mehr per Post sendet, ansonsten ist sie es schnell los, ohne irgendwas dafür zu bekommen.

0